Glaube nicht alles, was du denkst

Wir leiden oft nicht an der Realität, sondern an den Geschichten, die wir uns darüber erzählen

Seit 2010 entwickeln Oliver und ich unsere Denkzeuge: Tools, die sichtbar machen, wo es wie stark im Leben brennt, was einen warum ausgebremst hat, und welche Ressourcen und Motive im Verborgenen schlummern, die man aktivieren kann, um aus seinem Leid herauszukommen. Tools, die einen vom Problem zum Ziel führen, und die ich jeden Tag selbst mit Überzeugung einsetze, weil sie zuverlässig Klarheit schaffen und Orientierung geben – immer. 

Trotzdem hatte ich viele Jahre das Gefühl: Etwas fehlt noch in unserem Prozess. 


Wie “Ja, aber…”-Sätze alles blockieren können

Es gab immer wieder Situationen – bei mir und bei meinen Kunden, wo es zu wenig war. Man wollte weiterkommen, raus aus seinem brennenden Thema, aber man steckte irgendwie fest. 

Alles war klar: Problem, Motive, Ziel, erste Schritte. Und trotzdem schaffte man dann nicht einmal den ersten Schritt umzusetzen. Tausend Argumente ließen die Gedanken im Kreis drehen und verhinderten, in die Gänge zu kommen.

  • Ja, aber wenn ich das mache, verliere ich meinen Partner, meine Freunde, meinen Job, mein Ansehen, …
  • Ja, aber ich kann ja die anderen nicht ändern.
  • Ja, aber das hab ich ja schon mal probiert und hat nichts gebracht.
  • Ja, aber das weiß ich jetzt schon, dass das nichts bringt.
  • Ja, aber ich kann nichts mehr tun, was es ändern würde, es liegt an den anderen.
  • Ja, aber so einfach ist das nicht.
  • Ja, aber dafür bin ich zu alt, zu jung, zu dumm, zu unfähig …
  • Und so weiter und so fort.

Solche Momente waren unglaublich zermürbend für mich und ich wollte diese Lücke unbedingt schließen.


Niemand ist gefeit davor

Das letzte Mal, als ich mit einem größeren Problem in unserem Business wie vor einer großen, unüberwindbaren Wand stand, war im Herbst 2023. Es schien unlösbar. Ich hatte alles mögliche getan und konnte nichts mehr sehen, was noch helfen würde. 

Jahrelang versuchte ich, Menschen, UnternehmerInnen und Coaches für unsere Denkzeuge und damit für eine bewusste, kognitive, reflektierte Herangehensweise bei brennenden Themen zu gewinnen. Aber der erhoffte Erfolg blieb aus. 

Parallel entwickelte sich ein großer Hype – neu verpackt in altbewährte Methoden:  Meditation, Hypnose, Affirmationen, Visionboards etc. Die Botschaft war bei vielen Anbietern ähnlich und verlockend einfach: “Hab dein Ziel bildlich vor Augen und alles wird sich erfüllen.” 

Ich begann zu denken: “Das ist es wohl, was Menschen brauchen. Niemand will mehr kognitiv an sich arbeiten. Das ist einfach zu anstrengend. Da kann ich natürlich tun, was ich will. Kein Wunder, dass es nicht funktioniert”. 

Und wenn mir irgendjemand einen Tipp gab, kamen all die “Ja, aber …”-Sätze von oben zum Vorschein. Ich war überzeugt, dass es nicht mehr in meinen Händen lag. Für mich lag es jetzt nur noch an den anderen. 

Das hatte ich mir so lange immer und immer wieder erzählt und selbst bestätigt, dass daran nicht mehr zu rütteln war. 

Trotz all meiner Ausbildungen und samt unserer Denkzeuge bin auch ich in dieser Denk-Falle gelandet.


Der fehlende Baustein 

Aber ich konnte einfach nicht loslassen. Es beschäftigte mich – intensiv. 

Durch Zufall bin ich  auf ein Buch gestoßen. Der Titel “Lieben, was ist” machte mich neugierig – und gleichzeitig ärgerte er mich auch ein bisschen. Wie kann man alles lieben, was ist? Den Erfolg, der einfach ausblieb, obwohl man alles gegeben hat, den Tod von lieben Menschen, schlimme Krankheiten, Krieg … 

Meine Neugier siegte – ich kaufte das Buch und begann gespannt zu lesen. Ich erwartete etwas Komplexes. Stattdessen ging es hauptsächlich um vier schlichte Fragen, die die Autorin Byron Katie Mitchell immer wieder stellt

  1. Ist das wahr?
  2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass es wahr ist?
  3. Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
  4. Wer wärst du ohne den Gedanken?

Während ich zu meinem Thema die Fragen reflektiert beantwortete, wurde mir plötzlich klar: Das ist es, was mir in unserem Prozess noch gefehlt hat:

Das Leiden entsteht nicht durch das Ereignis. 

Es entsteht durch meinen eigenen Widerstand gegen das Ereignis. 

Ich litt gar nicht wirklich wegen der Realität, dass mein Business schlecht lief. 

Ich litt wegen meinem Glauben darüber, dass niemand mehr bereit war, an sich zu arbeiten und deswegen alles aussichtslos war. 


Glaube nicht alles, was du denkst

Wahrscheinlich hast du diese Überschrift oder auch sowas Ähnliches schon mal gehört? Aber wie viel Bedeutung hast du dem Aufruf bisher in deinem Leben gegeben?

Meine Situation war zwar erst einmal immer noch die gleiche. Aber durch das reflektierte Beantworten der Fragen veränderten sich meine Sichtweise darauf und mein Umgang damit. 

Es waren nicht die Fragen selbst, die mir gesagt haben, dass meine Überzeugung falsch ist. Es war der Rahmen, den sie mir gegeben haben, um es selbst zu erkennen. 

Ich musste mich nur – genau wie bei unseren Denkzeugen – intensiv damit auseinandersetzen, mich bewusst öffnen – mit der Bereitschaft, meine Gedanken selbst tief zu hinterfragen.

Bei der ersten Frage, ob meine Überzeugung wahr ist, antwortete ich noch mit einem klaren “Ja”. Bei der zweiten Frage, ob ich 100% sicher bin, dass sie wahr ist, kamen jedoch die ersten Zweifel, denn ich arbeitete ja gerade mit einer sehr erfolgreichen, kognitiven Methode.

Es war also genau das Gegenteil, was ich dachte: “Kognitives Reflektieren ist nicht das Problem – es ist die Lösung.” 

Meine Überzeugung war falsch. Ich hatte aus einigen enttäuschenden Erfahrungen und Wahrnehmungen nur eine allgemeingültige Wahrheit in meinem Kopf geschaffen. 


Warum erzählen wir uns nicht eine andere Geschichte?

Wir glauben so oft, wir würden über ein Problem nachdenken und es damit lösen. Tatsächlich wiederholen wir aber immer nur dieselben Gedanken in einer Endlosschleife und manifestieren damit eine breite “Straße der Überzeugung“ in unserem Gehirn – nicht immer die beste.

Glaubenssätze. Ängste, Selbstzweifel, “Ja, aber …”-Sätze – am Ende alles dasselbe: Überzeugungen, die man irgendwann über sich selbst, die Menschen um sich herum oder die Welt aufgebaut hat und die seitdem das Steuer übernommen haben. 

Sie alle können hinterfragt und aufgelöst werden. Ja, vielleicht nicht alle auf einmal und die härtesten nicht von heute auf morgen. Aber eine nach der anderen.

Und falls du gerade so – oder ähnlich – denkst: “Ja, aber so einfach ist das nicht – ich kann doch die anderen nicht ändern.“, dann hinterfrage diesen Gedanken doch einmal neugierig, ob er wirklich wahr ist. Vielleicht steckt genau dort auch eine neue spannende Geschichte 😉.

Das ist es wirklich wert. 

Denn wie geht es uns, wenn wir uns laufend belastende Geschichten erzählen? 

Warum erzählen wir uns nicht lieber die ebenso wahren Geschichten, die sich nicht nur besser anfühlen, sondern auch neue Türen und vorher ungeahnte Möglichkeiten eröffnen? 

Selbst wenn wir nicht alle umgewandelt bekommen, jede einzelne neue Geschichte macht unser Leben leichter und zufriedener. Jede einzelne beendet das Chaos und den Krieg in unserem Kopf. 

Und umgekehrt beginnt der Frieden im Inneren wie im Äußeren auch genau dort – in unserem Kopf. 

Wie sollen wir sonst je friedlich leben können, wenn wir ständig gegen uns selbst Krieg führen?


Was ist deine Geschichte? Willst du sie ändern?

Irgendwo in dir gibt es wahrscheinlich auch eine Geschichte, die du schon viel zu lange für wahr gehalten hast und die dich blockiert. Vielleicht weißt du sogar, welche das ist. Die Frage ist nur: Willst du mal genauer hinschauen? Wenn ja, dann fang doch hier an:

Beseitige deine Überzeugungen und Glaubenssätze mit unserer Mini-Coaching-Übung. 

 

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